Gelnägel – Effektiv, aber nervig!

Gelnägel – Effektiv, aber nervig!

Nach der enttäuschenden Erfahrung, die bei der Neurologin/Psychotherapeutin gemacht habe, griff ich zu etwas „drastischeren“ Mitteln. Gelnägel waren meine große Hoffnung – die mir zwar geholfen, die ich doch aber häufig verflucht habe.

Kurz nach meiner Erfahrung mit der Neurologin bzw. Psychotherapeutin bin ich nach Hamburg gezogen. Wie es der Zufall so wollte, war ca. 10 Minuten von mir entfernt ein kleines Nagelstudio. Es hat mehrere Anläufe gebraucht, bis ich dann endlich einen Termin gemacht habe – denn ich hatte hohe Hemmungen, mir Gelnägel machen zu lassen. Ich habe damit keine all zu guten Assoziationen gehabt, kannte ich doch nur die viel zu langen Krallen von den blondgefärbten, überschminkten Frauen, die man mal in Bars oder Bus gesehen hat. Außerdem fand ich es ziemlich teuer, alls 3-4 Wochen für knapp 40 Euro die Nägel machen zu lassen – von der Zeit ganz zu schweigen, die man dafür einplanen muss. Und natürlich wusste ich auch, dass Gelnägel alles andere als gut für die Nägel sind.

Jetzt oder nie!

Als ich aber mal wieder ZU doll an meiner Nagelhaut geknibbelt habe und mich auch mein Umfeld wieder drauf angesprochen habe, dachte ich mir: Ach, was solls. Ich probiere es jetzt mal aus. Ich schrieb der Inhaberin des Nagelstudios bei Facebook und erzählte ihr auch direkt, dass meine Nagelhaut ziemlich kaputt sei und ob das überhaupt gehen würde.

Bei ihrer Antwort habe ich mich direkt in sie verliebt, denn sie schrieb mir: Liebe Antje, ich freu mich, dass du auf mich aufmerksam geworden bin. Hab keine Angst wegen der Nagelhaut, du bist nicht die einzige Kundin, die mit diesem Problem zu mir kommt. Wir finden da schon eine Lösung!“

Maniküre mit Geldnägeln

Vor meinem ersten Termin war ich ziemlich nervös. Aber Claudia, die Inhaberin, hat mich sofort sehr freundlich empfangen. Ich habe direkt von ihr kurze, unauffällige Nägel bekommen, die tatsächlich niemandem aufgefallen sind. Für mich ein Glücksfall! Und so hatte ich für die nächsten 1,5 Jahre MEIN Nagelstudio gefunden und mich tatsächlich auf die Abende mit Claudia immer sehr gefreut, denn wir haben uns beim Nägel machen über alles mögliche unterhalten.

Tatsächlich haben wir die Gelnägel geholfen, weniger an mir uns meinem Körper rumzupulen – allerdings habe ich durch die erhöhte Stabilität der Nägel auch schnell gemerkt, dass man damit wunderbar an seiner Haut rumquetschen kan. Nun gut, einen Tod muss man sterben. Und meine Hände sahen so wunderbar gepflegt aus, das hätte ich selbst nie für möglich gehalten. Meine Nagelhaut hat sich recht schnell erholt. Der große Nachteil: Es ist schon eine sehr teure und auch zeitintensive Maßnahme. Zu dem Zeitpunkt war es mir das aber mehr als wert. 

Ein Umzug wirft alles durcheinander

Innerhalb der 1,5 Jahre, die ich zu dem Nagelstudio bei mir um die Ecke ging, lernte ich meinen Freund kennen. Wir entschlossen nach nicht mal einem Jahr, dass wir zusammenziehen wollen – und fanden auch eine wunderschöne Wohnung. Die war nur leider am komplett anderen Ende Hamburgs und so erfolgte der Abschied von meiner geliebten „Nageltante“. Sie gab mir noch eine Empfehlung mit auf dem Weg, allerdings kamen wir terminlich nicht wirklich gut zusammen, da meine Arbeitszeit die Öffnungszeiten überschnitten. 

Zu dem Zeitpunkt war ich regelrecht verzweifelt, da mir die Nägel doch wunderbare Dienste bisher geleistet haben – und auch vor meinem Freund gut verstecken konnten, dass ich leidenschaftlich Skin Picking betreibe. Denn dem hab ich zwar erzählt, dass ich mit die Nägel mache, um mit dem Knibbeln aufzuhören, dass ich das jedoch exzessiv an anderen Körperstellen auch tue (Kopf, Beine, eingewachsene Haare im Schambereich rauspulen, Pickel ausdrücken, etc.) konnte ich immer ganz gut vor ihm verstecken.

Die Lösung ist nah!

 

Durchs Nagelstudio-in-der-Nähe recherchieren erreichte mich dann aber eine neue Möglichkeit, die ich nur dank der Targeting-Möglichkeiten im Internet gesehen habe: Mir wurde ein „Gel Starter-Set“ von Jolifin plötzlich überall angezeigt, wo ich Banner sehen konnte. 

Ich informierte mich und dachte mir: „Ha! Nägel selber machen, das sollte ich doch wohl hinbekommen!!“ und so bestellte ich mir für knapp 50 Euro das Starter-Set und direkt noch 2 Farben dazu. 

Und dann ging es los. Der erste Versuch war eher schlecht als recht, aber je öfter ich mir selbst die Nägel machte, desto besser wurde ich. Ich traute mir sogar irgendwann zu, mehr als nur einfarbige Nägel zu machen (s. rechts).

Ich saß alle 3 bis 4 Wochen, meist sonntags, ca. 1,5 bis 2,5 Stunden also bei uns am Tisch und machte einen auf „Healthy Nails by Antje“ *lach*. Mein iPad nebendran, so dass ich nebenbei immer meine Serien gucken konnte. Das war schon fast ein Ritual – aber ein sehr Zeit intensives.

 

Von "Jey" zu "Ney"

Meine anfängliche Begeisterung, jetzt alles selbst in den Händen zu halten (bzw. selbst an den Händen zu machen) hielt so ca. ein Jahr. Ich habe mir verschiedene Farben und auch Aufkleber bestellt und habe ein bisschen rumprobiert. 

Irgendwann hat es mich immer mehr genervt, SO viel Zeit mit Nägel machen zu verbringen. Mein Freund musste zwischendurch beruflich auch in eine andere Stadt ziehen unter der Woche, so dass uns nur die Wochenenden blieben – und die wollte ich ungern mit Nägel machen verbringen. Und unterhalb der Woche fehlte mir einfach die Zeit. 

Hinzu kam, dass ich immer ungeduldiger wurde und dann immer „schnell schnell“ machen wollte – was dazu führte, dass ich viele Fehler bei den Gelnägeln machte, so dass sie nach 1, 2 Wochen meist schon abfielen, abbrachen oder komisch gnubbelig aussahen.

Auch das war ein Grund, weshalb ich mir einen Therapieplatz gesucht habe. Die Gelnägel wären auch in Zukunft eine gute Vermeidungsstrategie gewesen, aber halt auch nur das. Ich habe die Gelnägel nicht GELIEBT, sie waren Mittel zum Zweck. Für mich waren sie nie nur dekorativ, sondern nur dafür da, um Schlimmeres zu vermeiden. Dass sie ganz hübsch aussahen war nur ein netter Nebeneffekt. Aber ich wollte in Zukunft irgendwann drauf verzichten können, also hat mich dieser Umstand nochmal mehr bestärkt, dem Übel nun an die Wurzel zu gehen.

Kein Skin Picking mit Naturnägeln

I try my best

Nach ca. 5 Monaten in der Therapie war ich das erste Mal so weit, es ohne Gelnägel auszuprobieren. Ich habe Strategien zur „Verhaltensumlenkung“ gelernt und wollte wissen, ob ich diese auch mit Naturnägeln konsequent anwenden würde.

Ich ließ die Gelnägel also rauswachsen bzw. pulte das locker-gewordene Gel ab und versuche es jetzt seit ca. 5 Wochen ohne .

Ja, das Knibbeln ist wieder ein bisschen mehr geworden. Aber längst nicht so extrem wie vorher. Ich versuche, die Strategien gegen das Skin Picking im Alltag konsequent anzuwenden. Mal gelingt es mir besser, mal schlechter. Aktuell sehen meine Finger so aus (s.links). Man erkennt, dass der Daumen immer noch meine größte Schwachstelle ist. Aber auch der Mittelfinger sah bis vor ein paar Tagen noch schlimm aus.

Mit meiner Therapeutin habe ich nun folgenden Deal: Ich habe seit kurzem, neben meinen anderen Alltagshelfern, ein Nagelset immer in meiner Tasche, so dass ich „störende“ Hautfetzen lieber abschneiden kann als sie abzupulen. 

Außerdem werde ich es jetzt erstmal mit einer professionellen Maniküre probieren. Ich erhoffe mir dadurch, dass ich die Nägel dann SO schön finde, dass ich sie in Ruhe lasse.

Ein Schritt vor, zwei zurück?

Und wenn das nicht klappt? Dann ist der Deal, dass ich es erstmal wieder mit Gelnägeln probiere. Das Set habe ich ja noch zuhause, ich könnte also jeden Tag wieder welche drauf machen. 

Für mich wäre das übrigens kein Rückschritt. Ich habe den Versuch ohne Gelnägel in dem Wissen gestartet, dass es erstmal ein Ausprobieren ist. In der Therapie lerne ich gerade nämlich auch, nicht zu streng mit mir zu sein – und meinem Ehrgeiz auch mal Einhalt zu gebieten. Denn letzteres ist übrigens auch Mit-Ursache meines Skin Pickings. Aber dazu mehr im nächsten Post!

Antje

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