Die Einsicht

Die Einsicht

Irgendwann 2015 war ich beim Hautarzt – eigentlich wegen eines anderen Problems. Ich sprach ihn auf meine Nagelhaut an und dass ich immer daran rumknibbel. Er empfahl mir, mal zu einem/-r Neurologen/-in zu gehen und das untersuchen zu lassen..und damit startet eigentlich eine Reise, die fast schon wieder genau dort zu Ende gegangen wäre.

Is there any help!?

Ich glaube, es war 2015 als ich mich das erste Mal näher mit meinem „Tick“ beschäftigte. Das lag wohl daran, dass eine sehr gute Freundin von mir mich darauf angesprochen hat, warum meine Nagelhaut denn immer so kaputt und blutig sei. Mir war das natürlich wahnsinnig unangenehm. Aber ich sagte ihr sowas wie „Hm, ja, ich weiß auch nicht, irgendwie kann ich damit nicht aufhören.“. Wir schlossen einen kleinen „Pakt“: Sie tickt mich immer, wenn wir zusammen sind, an, wenn ich mit dem Nagelhaut pulen anfange. Das machen wir solange, bis sich meine Nagelhaut „erholt“ hat. Und als Belohnung wollte ich mir eine Maniküre gönnen. 

Da ich wegen meiner sehr trockenen Haut sowieso einen Hautarzt Termin hatte, konnte es ja auch nicht schaden, mal den Hautarzt drauf anzusprechen, was da mit meinen Fingern so los ist. 

Der Arzt schaute sich die Finger an und sagte: „Nun ja, sie leider generell unter trockener Haut, das macht sich auch an ihrer Nagelhaut bemerkbar. Allerdings kann es auch stressbedingt sein. Gehen Sie mal am besten zum Neurologen und lassen sich durchchecken.“
Also machte ich einen Termin mit einer Neurologin, die fast gegenüber vom Hausarzt ihre Praxis hatte.

Doctor takes a closer look at skin picking patient

"Aber Sie sind doch so normal!?"

Ich war sehr gespannt auf den Termin, dachte ich doch, dass mir tatsächlich jemand helfen könnte. 
Zuerst wurden bei mir also Hirnströme gemessen (ehh, ja. Wusste auch nicht warum, war aber wohl Standard-Prozedur). Dann wurde ich mit den Ergebnissen zur Neurologin, die gleichzeitig auch Psychotherapeutin ist, geschickt. Ich kam rein, stellte mich freundlich vor und erzählte ihr dann von meinem „Tick“, der mich schon so lange begleitet. 
In meinem Kopf sollte folgende Antwort kommen: „Oh, ja, das klingt mir eher nach einer Krankheit. Ich würde Ihnen vorschlagen, eine Therapie zu machen, um die Ursache herauszufinden.“
Es kam aber: „Ach, das ist doch kein Problem! Sie wissen ja gar nicht, welche Problemfälle ich hier sonst so sitzen haben. Schauen Sie sich doch mal an, Sie sind eine sympathische, hübsche, junge Frau. Haben Sie schonmal versucht, einfach aufzuhören?“. 

Ich entgegnete ihr, dass ich das natürlich schon mehrmals versucht habe und es nicht „einfach so“ funktioniert hat, weshalb ich ja nun bei ihr sitzen würde. Daraufhin kamen noch viele hilfreiche Tipps – nicht. 
Danach erklärte sie mir irgendwas von Serotoninen und dass diese ihren Weg nicht bis in meine Fingerspitzen schaffen. Sie würde mir da mal was aufschreiben, das soll ich mal so 3-4 Wochen nehmen und schauen, ob sich was ändert. Und wenn nicht, soll ich nochmal wiederkommen. Ich könne ja aber in der Zwischenzeit mal diesen widerlich schmeckenden Nagellack ausprobieren (by the way: Ich kaue keine Nägel. Und wenn mich was an der Nagelhaut stört, hole ich auch gerne mal Pinzette, Nagelschere oder sonst was hervor. Da bringt so ein Nagellack wenig bis gar nichts.).

Pillen gegen das Knibbeln!?

Ich ging also zur Apotheke und holte mir das verschriebene Medikament. Ich schickte meiner Schwester, die selbst in einer Apotheke arbeitet, ein Bild davon und fragte sie, ob sie das Medikament kennt. 

Ihre Antwort: „Hä? Warum hast du denn Anti-Depressiva bekommen!?“. Moment, Anti-Depressiva? Das hatte die Neurologin mit keinem Wort erwähnt. Von einem Freund weiß ich, dass diese zum Teil auch starke Nebenwirkungen haben könne, vor allem, wenn man nicht unter einer Depression leidet. 

Alles in allem kann ich euch sagen: Ich habe es probiert. Bei mir haben sie nicht gewirkt (ich sage hier absichtlich „bei mir“, denn ich möchte nicht ausschließen, dass es bei jemand anderen nicht doch evtl. funktioniert).

Dermatillomanie - Die große Unbekannte

Wie ich auch schon hier geschrieben habe, ist „Skin Picking Disorder“ selbst bei vielen Ärzten und Therapeuten nicht bekannt. Ich bin leider an zwei dieser Ärzt*innen geraten. Für mich war diese Erfahrung wahnsinnig frustrierend, denn ich dachte danach wirklich, dass mir nicht zu helfen ist. Ich habe mich überhaupt nicht ernst genommen gefühlt und dachte zwischenzeitlich „Vielleicht hat die Ärztin ja Recht? Vielleicht muss ich versuchen, „einfach mal aufzuhören“. Ich habe mich bisher einfach noch nicht genug angestrengt.“.
Zur Belohnung mit der Maniküre ist es übrigens nie gekommen. Auch konnte ich leider nicht mehr auf den „Pakt“ zwischen meiner Freundin und mir zurückgreifen, denn kurz danach bin ich nach Hamburg und sie nach München gezogen. Meh.

Das Gute daran war: Ich habe gemerkt, dass ich mir „Vermeidungsstrategien“ zulegen muss, um mich vom Knibbeln abzuhalten. Und so kam es dann, dass ich es mit Gelnägeln versucht habe. 

Dazu wird es in den kommenden Tagen aber noch einen weiteren Blog-Eintrag geben. 

Antje

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